Immer komplexere Projektanforderungen, die fortschreitende Fragmentierung von Webtechnologien und die damit notwendige Verteilung auf immer spezialisiertere Teams fördern laufend neue Herausforderungen zu Tage. Die effektive Verzahnung von Spezialdisziplinen und die laufende Abstimmung zwischen allen Beteiligten stellt in vielen Projekten einen signifikanten Aufwandsposten dar — ganz jenseits der eigentlichen Design- und Entwicklungsarbeit. Als eine sinnvolle Herangehensweise bei entsprechend umfangreichen Projekte hat sich das **»Component-Driven Development«** hervorgetan: Statt des überkommenen Ansatzes, in kompletten **»Seiten«** zu denken und umzusetzen, lassen sich Anwendungen und ihre Oberflächen in design- und funktionsbezogene Module zergliedern, die Stück für Stück und aufeinander aufbauend isoliert konzipiert, entworfen, umgesetzt und getestet werden können.

Zur Unterstützung komponentengetriebener Herangehensweisen sind in den letzten Jahren etliche Werkzeuge auf der Bildfläche erschienen. Die Spanne reicht von vergleichsweise einfachen (CSS-)Dokumentationswerkzeugen wie [KSS](http://warpspire.com/kss/) bis zu leistungsfähigen Styleguide-Generatoren wie [Brad Frost’s Pattern Lab](https://patternlab.io/) . Je nach zugrunde liegender Methodologie verfolgen diese Werkzeuge unterschiedlichste Ansätze hinsichtlich

- Art und Umfang der dokumentierten Module
- Organisation und Navigation von Komponenten
- Dokumentationsform
- Darstellung von Varianten
- Darstellung von Zusammenhängen zwischen Komponenten
- inhaltlicher Dynamik und dem Ergänzen neuer Komponenten
- u.s.w.

So unterschiedlich wie die Landschaft der Methodologien und Werkzeuge sind auch die Auffassungen, welche Informationen Eingang in ein solches System finden sollen, und so vielfältig sind auch die gebräuchlichen, teils synonym verwendeten Bezeichnungen wie **»Design System«**, **»Pattern Library«**, **»Living Styleguide«** oder **»Komponentenbibliothek«**. Richtig umgesetzt fördern sie den Austausch aller Projektbeteiligten (Auftraggeber, Design-Team, Entwickler-Team, etc.), unterstützen kontinuierliches Testing (visuell, funktional, Barrierefreiheit, etc.) und erleichtern das Onboarding später hinzustoßender Team-Mitglieder.

Eine besondere Herausforderung stellt in vielen Fällen das langfristige Synchronhalten von Pattern Library und realem Projektcode dar — ein Grund, warum viele Systeme nicht auf Dauer überleben (gerade wenn Projekte in die heiße Phase übergehen). Anhand der Website des [Nürnberg Digital Festivals](https://nuernberg.digital) demonstriert Joschi Kuphal, wie die Live-Integration einer [Fractal](https://fractal.build/)-basierten Library mit einer [TYPO3](https://typo3.org/)-Website gelingen kann — Grundlagen, die sicher auch auf Joomla-basierte Projekte übertragbar sind.
Sprecher: Joschi Kuphal

Joschis erste Website entstand Mitte der 90er Jahre auf den Servern des Free-Net Erlangen-Nürnberg-Fürth. Nach einem Innenarchitektur-Studium gründete er 2000 die Web- und Werbeagentur tollwerk, die sich seit 2003 auf die Entwicklung komplexer TYPO3-Websites und -Extensions konzentriert. Seit den ersten responsiven Websites im Jahr 2009 stehen für ihn und sein Team heute vor allem barrierefreie, performante Multi-Device-Websites im Fokus.

Joschi ist IndieWeb-Enthusiast, Autor diverser Open-Source-Tools und Dozent an der Hochschule Ansbach. Seit 2013 hat er verschiedene Konferenzen und Veranstaltungsreihen ins Leben gerufen, darunter die Konferenzen border:none (Nürnberg) und Material (Reykjavík), den Accessibility Club und das CoderDojo Nürnberg. Mit seinem Team ist er maßgeblich in die Entwicklung, Organisation und werbliche Betreuung des Nürnberg Digital Festival involviert. In seinen eigenen Räumlichkeiten organisiert er laufend Community-Meetups und Workshops zu verschiedenen Themen rund um Webentwicklung, Barrierefreiheit und digitale Bildung.